Herstellung des Plymouth Gin:
Der Plymouth Gin wird seit 1793 in der Black Friars Distillery im Herzen von Plymouth hergestellt – einem Gebäude, das ursprünglich 1431 als Kloster des Dominikanerordens ("Black Friars") errichtet wurde und dessen Namen die Destillerie bis heute trägt. Damit produziert Plymouth Gin ununterbrochen am selben historischen Standort und zählt zu den ältesten noch aktiven Gin-Herstellern der Welt. Über den Großteil seiner Geschichte firmierte der Betrieb als Coates & Co., bevor er 1996 von einer Investorengruppe um Charles Rolls übernommen wurde; 2005 ging die Marke an den schwedischen Konzern V&S Group und gelangte 2008 mit dessen Übernahme schließlich zu Pernod Ricard, wo sie bis heute verbleibt.
Der Name "Plymouth Gin" war lange Zeit eine eigene, EU-weit geschützte Ursprungsbezeichnung, die nur für tatsächlich in Plymouth destillierten Gin verwendet werden durfte – 2015 verzichtete Pernod Ricard jedoch auf die Verlängerung dieses Schutzstatus, da man ihn für den ohnehin etablierten Markennamen als nicht mehr notwendig erachtete. Geschmacklich unterscheidet sich Plymouth Gin bis heute deutlich vom trockeneren London Dry Gin: Das Rezept setzt auf einen höheren Anteil an Wurzel-Botanicals, insbesondere Orisswurzel, was dem Plymouth Gin seinen charakteristisch weichen, erdigen Stil verleiht – ein Stil, der eng mit der Seefahrtsgeschichte der Stadt verknüpft ist, denn die Royal Navy bezog ihren Gin traditionell aus genau dieser Brennerei.
Verkostung des Plymouth Gin:
In der Nase zeigt sich der Plymouth Gin runder und weniger scharf wacholderbetont als ein klassischer London Dry Gin, mit deutlichen erdigen Noten von Orisswurzel, dazu Zitrus und ein Hauch süßer Gewürze. Am Gaumen ist er weich, vollmundig und leicht süßlich, mit einer harmonischen Balance aus Wacholder, Wurzelaromen und Zitrusfrische. Der Abgang ist warm, rund und angenehm lang, ohne die schneidende Trockenheit eines London Dry Gin – eine Stilrichtung, die Plymouth über Jahrhunderte praktisch im Alleingang geprägt hat, weil kein anderer Hersteller den geschützten Namen tragen durfte.
Steckbrief Plymouth Gin:
Alkoholgehalt: 41,2 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Orisswurzel, Koriander, Kardamom, Angelikawurzel, Süßholzwurzel
Hersteller: Black Friars Distillery (Pernod Ricard), Plymouth, England
Botanicals des Plymouth Gin im Detail: Die Rolle der Orisswurzel
Anders als viele Gins, die ihren Charakter über eine große Zahl exotischer Zutaten definieren, setzt Plymouth Gin auf ein reduziertes Set klassischer Botanicals, bei dem die Gewichtung entscheidend ist. Der überdurchschnittlich hohe Anteil an Orisswurzel – der getrockneten und gemahlenen Wurzel der Schwertlilie – verleiht dem Gin seine typische erdig-pudrige Textur und bindet gleichzeitig die übrigen Aromen von Kardamom, Koriander und Süßholz zu einem runden Gesamtbild. Diese Betonung der Wurzel-Aromatik gegenüber der Zitrusfrische ist der zentrale Unterschied zum trockeneren, spritzigeren London Dry Gin und erklärt, warum Plymouth Gin traditionell als besonders "seefahrtstauglicher", verträglicher Stil galt – ein Gin, der auch bei Seegang und ohne Kühlung an Bord gut mixbar blieb.
Verwendung des Plymouth Gin
- Gin & Tonic: Der weiche, erdige Stil des Plymouth Gin verträgt sich hervorragend mit einem klassischen, nicht zu bitteren Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, garniert mit einer Zitronenzeste.
- Pink Gin / Martini: Historisch ist der Plymouth Gin die klassische Basis für einen Pink Gin (mit Angostura Bitter) sowie für einen weichen, rundlichen Dry Martini – eine Kombination, die bereits Offiziere der Royal Navy im 19. Jahrhundert pflegten.
- Klassische Cocktails: Auch in traditionellen Rezepturen wie dem Pegu Club Cocktail oder dem Corpse Reviver No. 2 wird historisch häufig ausdrücklich Plymouth Gin verlangt, weil sein weicherer Stil die übrigen Zutaten wie Limettensaft, Orangenlikör und Bitter besser trägt als ein schärferer London Dry Gin.
Plymouth Gin richtet sich damit an alle, die einen weicheren, weniger zitrusdominierten Alternativstil zum London Dry Gin suchen, ohne auf Tradition und Geschichte zu verzichten. Wer die volle Bandbreite der Marke erleben möchte, findet mit dem deutlich kräftigeren Plymouth Navy Strength Gin aus derselben Destillerie eine konzentriertere, auf 57 % vol. gebrachte Variante desselben Grundprofils – ein direkter Vergleich, der zeigt, wie stark sich Alkoholstärke auf die Wahrnehmung identischer Botanicals auswirken kann.
Die enge Verbindung zur Royal Navy reicht bis in die Gegenwart: Neu in Dienst gestellte Schiffe der britischen Marine erhalten traditionell noch immer ein "Plymouth Gin Commissioning Kit" mit zwei Flaschen und passenden Gläsern überreicht – ein Brauch, der die jahrhundertelange Rolle der Brennerei als Hoflieferant der Flotte fortführt. Diese Verwurzelung in der Marinegeschichte, verbunden mit dem historischen Klostergebäude als Produktionsstätte, macht Plymouth Gin zu einem der wenigen Gins, deren Herkunftserzählung sich vollständig belegen statt nur behaupten lässt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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