Seagram's Extra Dry Gin

Gin

Seagram's Extra Dry Gin

3,5/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.USA
GinAmerican Dry Gin
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Herstellung des Seagram's Extra Dry Gin:

Die Wurzeln der Marke Seagram's reichen zurück zu Joseph E. Seagram, der 1864 in die Waterloo Distillery im kanadischen Ontario einstieg, 1869 Teilhaber wurde und den Betrieb 1883 vollständig übernahm. Ursprünglich als Whisky-Destillerie bekannt – berühmt wurde vor allem der 1907 anlässlich der Hochzeit von Seagrams Sohn lancierte Seagram's VO Whisky –, entwickelte sich das Unternehmen nach Seagrams Tod 1919 unter der Familie Bronfman, die es 1928 übernahm, zu einem der größten Spirituosenkonzerne der Welt. Die Gin-Linie Seagram's Extra Dry kam 1939 in den USA auf den Markt und zählt bis heute zu den meistverkauften Gins Nordamerikas.

Der amerikanische Dry-Gin-Stil, den Seagram's über Jahrzehnte hinweg mitprägte und für ein Massenpublikum zugänglich machte, unterscheidet sich spürbar vom britischen London Dry: Er ist meist etwas weniger wacholderbetont, dafür zugänglicher und milder im Geschmack, was ihn zu einer besonders vielseitigen Basis für klassische amerikanische Cocktails macht. Seagram's wird mehrfach destilliert und mit einer ausgewogenen, bewusst unaufdringlichen Botanical-Mischung aromatisiert, die auf breite Massentauglichkeit statt auf ein ausgeprägtes Eigenprofil zielt – ein Ansatz, der die Marke über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil amerikanischer Hausbars gemacht hat, lange bevor der heutige Craft-Gin-Boom mit seinen zahlreichen kleinen, spezialisierten Destillerien einsetzte.

Verkostung des Seagram's Extra Dry Gin:

In der Nase zeigt sich milder Wacholder mit einer dezenten Zitrusnote. Am Gaumen ist Seagram's Extra Dry weich und zugänglich, mit Wacholder und Koriander im Hintergrund und einer neutralen, gut mixbaren Struktur, die kaum eigene Duftstoffe in den Vordergrund drängt und dadurch problemlos mit Fruchtsäften, Sirupen oder Limonaden harmoniert. Der Abgang ist kurz und sauber, praktisch ohne Nachwirkung – genau die Eigenschaft, die einen guten Mixgin für Longdrinks und klassische Cocktails ausmacht.

Steckbrief Seagram's Extra Dry Gin:

Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Zitrusschale, Angelikawurzel und weitere Botanicals
Hersteller: Seagram's, USA (Markenursprung: Waterloo Distillery, Ontario, Kanada)

Herstellung im Detail: Vom kanadischen Whisky-Imperium zum US-Gin-Klassiker

Bemerkenswert an der Geschichte von Seagram's ist der Wandel vom kanadischen Familienbetrieb zum globalen Spirituosenkonzern: Joseph Seagram selbst war zeitlebens vor allem Whisky-Mann und engagierter Lokalpolitiker in Waterloo, der unter anderem Grundstücke für ein örtliches Krankenhaus stiftete. Erst seine Nachfolger, allen voran die Familie Bronfman, die das Unternehmen 1928 übernahm, bauten Seagram's zu einem diversifizierten Spirituosenriesen mit Standorten in Nordamerika und darüber hinaus aus, zu dem ab 1939 auch die Gin-Sparte in den USA zählte. Der bewusst unauffällige, gut mixbare Charakter von Seagram's Extra Dry Gin lässt sich als Gegenentwurf zu den kräftigeren, wacholderbetonten britischen Gins jener Zeit verstehen – ein Stil, der besser zu den süßeren, fruchtigeren amerikanischen Cocktailtraditionen der Prohibitions- und Nachkriegszeit passte, in denen Gin meist nur eine von mehreren Zutaten in komplexeren Mixgetränken war statt der geschmackliche Mittelpunkt eines Drinks.

Verwendung des Seagram's Extra Dry Gin

  • Gin Fizz & Collins: Die milde, gut mixbare Art macht Seagram's zu einer beliebten Basis für klassische amerikanische Longdrinks.
  • Gin & Tonic: Ein unkomplizierter Alltagsgin für den klassischen Drink ohne Schnickschnack, am besten mit einem ebenfalls milden Tonic wie Schweppes Indian Tonic Water.
  • Martini: Wegen seiner neutralen, wenig aufdringlichen Struktur eignet sich Seagram's auch als preiswerte Basis für einen einfachen Dry Martini, auch wenn Kenner hier meist zu einem aromatischeren Gin greifen würden.

Seagram's Extra Dry Gin richtet sich damit an alle, die einen verlässlichen, preiswerten Basisgin für die Hausbar suchen, statt an Kenner, die ein ausgeprägtes botanisches Profil erwarten. Im Vergleich zum ähnlich zugänglichen, ebenfalls amerikanischen New Amsterdam Gin zeigt sich, dass beide Marken auf dasselbe Grundprinzip setzen: maximale Mixbarkeit und Zugänglichkeit statt Komplexität – ein Ansatz, der in den USA über Jahrzehnte hinweg kommerziell erfolgreicher war als die europäische Craft-Gin-Philosophie.

Für Sammler und Kenner amerikanischer Spirituosengeschichte ist Seagram's zudem ein interessantes Beispiel dafür, wie eng Whisky- und Gin-Produktion historisch miteinander verflochten waren: Viele große nordamerikanische Whisky-Häuser des frühen 20. Jahrhunderts führten parallel auch Gin-Linien, um ihre bestehende Destillations- und Vertriebsinfrastruktur besser auszulasten. Seagram's ist eine der wenigen dieser Marken, deren Gin-Sparte bis heute unter demselben Namen fortbesteht, auch wenn das ursprüngliche Familienunternehmen längst zu einem globalen Konzern mit wechselnden Eigentümern geworden ist. Wer die Geschichte der Marke weiterverfolgen möchte, findet auch bei anderen traditionsreichen, breit vermarkteten Gins wie dem britischen Gordon's London Dry Gin eine ähnliche Entwicklung vom Familienbetrieb zur globalen Massenmarke.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Wacholder2/5
Zitrus2/5
Kräuter/Blumig1/5
Würze1/5

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