Herstellung des Edinburgh Gin:
Der Edinburgh Gin wurde 2010 von dem Ehepaar Alex und Jane Nichol ins Leben gerufen, die zuvor seit 2005 mit der Spencerfield Spirit Company bereits einen unabhängigen Whisky-Abfüller betrieben hatten. Alex Nichol brachte dabei Erfahrung aus Stationen bei renommierten Whisky-Häusern wie Glenmorangie, Laphroaig und Whyte & Mackay mit. Die erste Abfüllung kam im Juni 2010 auf den Markt und war einer der ersten Gins, der die schottische Craft-Gin-Bewegung außerhalb der klassischen Whisky-Destillerien anstieß; anfangs vermarktete das Ehepaar den Gin sogar über einen zum mobilen Verkaufsstand umgebauten Pferdeanhänger, mit dem sie schottische und nordenglische Bauernmärkte besuchten. Gebrannt wurde der Gin zunächst in der Langley Distillery in England in einer 12.000 Liter fassenden Kupferbrennblase mit dem Spitznamen "Jenny", bevor die Produktion mit wachsendem Erfolg vollständig nach Edinburgh verlagert wurde. Destilliert wird nach einem kombinierten Verfahren aus Mazeration und Dampfinfusion: Die meisten Botanicals ziehen über Nacht im neutralen Getreidealkohol, während empfindlichere Zutaten im Dampfraum der Brennblase hängen und so schonender extrahiert werden. Anders als viele englische Gins verzichtet der Edinburgh Gin bewusst auf exotische Zutaten und setzt stattdessen auf typisch schottische Botanicals: Heidekraut, Mariendistel (Milk Thistle) und schottische Kiefernsprossen ergänzen die klassische Wacholder-Basis und verankern den Gin fest in seiner schottischen Heimat. 2016 übernahm Ian Macleod Distillers die Spencerfield Spirit Company samt der Marke Edinburgh Gin und integrierte sie in das eigene Portfolio, während der Markenname Spencerfield im Zuge dessen aufgegeben wurde.
Verkostung des Edinburgh Gin:
In der Nase zeigt sich der Edinburgh Gin wacholderbetont mit einer feinen, leicht harzigen Kräuternote durch Heidekraut und Kiefer, dazu Zitrusfrische. Am Gaumen ist er ausgewogen und frisch, Wacholder und Koriander bilden das Zentrum, während die schottischen Botanicals für eine dezente, würzig-harzige Tiefe sorgen und Mariendistel eine feine, kaum wahrnehmbare bittere Note beisteuert, die den Gin zusätzlich strukturiert. Der Abgang ist mittellang, frisch und leicht kräuterig, mit einem sanften Nachklang von Kiefernnadeln und Heidekrautblüte.
Steckbrief Edinburgh Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Heidekraut, Mariendistel, schottische Kiefernsprossen, Zitrusschalen
Hersteller: Edinburgh Gin Distillery, Edinburgh, Schottland (Ian Macleod Distillers)
Botanicals des Edinburgh Gin im Detail
Die schottischen Botanicals sind das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Gins: Heidekraut, das die schottischen Highlands im Spätsommer in ein charakteristisches Lila taucht, bringt eine florale, leicht honigartige Süße ein. Mariendistel, in Schottland auch als wild wachsendes Unkraut verbreitet, steuert eine feine, herb-bittere Note bei, die man sonst eher aus Kräuterlikören kennt. Schottische Kiefernsprossen schließlich verleihen dem Gin eine harzig-frische Waldnote, die ihn deutlich von zitrus- oder blumenbetonten Gins unterscheidet. Kombiniert mit der klassischen Wacholder-Koriander-Angelika-Basis entsteht so ein Gin, der die schottische Landschaft – Moore, Nadelwälder und Heideflächen – geschmacklich einfängt, ohne dabei auf importierte, exotische Zutaten zurückzugreifen, wie es viele englische New-Western-Gins tun.
Verwendung des Edinburgh Gin
- Gin & Tonic: Der Edinburgh Gin passt gut zu einem milden, klaren Tonic wie Fever-Tree Naturally Light Tonic Water, garniert mit einem Zweig Rosmarin oder Thymian, der die kräuterigen Noten unterstreicht. Auch Thomas Henry Tonic Water funktioniert gut, da seine klare Bitterkeit die harzigen Kiefernoten nicht überdeckt.
- Pur oder auf Eis: Wegen seiner dezenten, harzig-kräuterigen Komplexität lohnt sich der Edinburgh Gin auch pur mit einem großen Eiswürfel.
Der Edinburgh Gin richtet sich an alle, die einen schottischen Gin abseits von rauchigen Whisky-Assoziationen entdecken möchten, und an Genießer, die florale, harzige Kräuternoten schätzen. Im Vergleich zu anderen schottischen Vertretern wie Caorunn Gin, der mit seiner Copper Berry Chamber auf ein ähnliches Prinzip regionaler Botanicals setzt, wirkt der Edinburgh Gin durch die Kiefernsprossen und Mariendistel etwas herber und harziger. Dass die Gründer Alex und Jane Nichol aus der Whisky-Branche kamen, merkt man dem Edinburgh Gin bis heute an: Die Rezeptur wirkt weniger verspielt als bei vielen jüngeren Craft-Marken, dafür konsequent an der schottischen Landschaft und Vegetation orientiert.
Seit der Übernahme durch Ian Macleod Distillers hat sich das Sortiment rund um die Marke deutlich erweitert, etwa um eine Seaside-Variante mit Meeresbotanicals oder eine kräftigere Cannonball-Ausführung – der hier vorgestellte klassische Edinburgh Gin bleibt dabei jedoch die Basisrezeptur, an der sich alle weiteren Varianten orientieren. Vom ursprünglichen Pferdeanhänger auf schottischen Bauernmärkten bis zur heutigen Präsenz in internationalen Bars hat die Marke einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt, ohne dabei ihre regionale Verwurzelung aufzugeben: Nach wie vor wird in der schottischen Hauptstadt selbst produziert, inklusive einer eigenen Besucherdestillerie, in der Interessierte den Entstehungsprozess direkt vor Ort verfolgen können.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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