Herstellung des Santa Teresa 1796:
Die Hacienda Santa Teresa in der venezolanischen Provinz Aragua wurde bereits 1796 vom Grafen Martín Tovar Ponte gegründet und zählt damit zu den ältesten kontinuierlich betriebenen Rum-Häusern Lateinamerikas. Nach den Verwüstungen des venezolanischen Unabhängigkeitskriegs erwarb der deutschstämmige Gustav Julius Vollmer Ribas – Enkel des venezolanischen Generals José Félix Ribas – das beschädigte Anwesen und baute die Rum-Produktion ab den 1890er-Jahren systematisch aus. Bis heute befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz; Alberto C. Vollmer, der die Geschäfte in fünfter Generation führt, hat die Hacienda zu einer der bekanntesten Premium-Rum-Marken Venezuelas ausgebaut. International bekannt ist Santa Teresa zudem für sein soziales Engagement: Seit 2003 rehabilitiert das Projekt "Proyecto Alcatraz" junge Bandenmitglieder aus der Region über Arbeit und Rugby-Training – ein inzwischen preisgekröntes Programm, an dem mittlerweile tausende Jugendliche teilnehmen.
Der 1796 ist die Premium-Abfüllung des Hauses und wird nach dem klassischen Solera-Verfahren hergestellt, bei dem jüngere Rums schrittweise mit älteren Fassbeständen – bis zu 35 Jahre – vermählt werden, ein Verfahren, das ursprünglich aus der spanischen Sherry-Produktion stammt. Die Reifung erfolgt in einer Kombination aus ehemaligen Whisky-, Cognac- und Portweinfässern, was dem 1796 seine außergewöhnliche Komplexität verleiht und ihn deutlich von einstilistischeren Rums abhebt. Mit 40 % vol. bleibt der Rum dabei zugänglich genug für den puren Genuss.
Verkostung des Santa Teresa 1796:
In der Nase präsentiert sich der 1796 in tiefem Mahagoni und zeigt Trockenfrucht, Karamell und eine feine Sherry-Würze, die von einem Hauch reifer Rosine und dunkler Nuss begleitet wird. Am Gaumen zeigt sich der Rum komplex und vollmundig, mit klar erkennbarer Trockenfrucht und Karamell sowie einer warmen, leicht rauchigen Würze, die für zusätzliche Tiefe sorgt. Die Vielzahl der eingesetzten Fasstypen – Whisky, Cognac, Portwein – macht sich dabei als vielschichtiges Zusammenspiel aus Frucht, Röstung und weiniger Süße bemerkbar, ohne dass eine einzelne Note zu dominant wirkt. Der Abgang ist lang und klingt mit nachklingender Eichen- und Fruchtsüße aus, begleitet von einem Hauch Rauch. Diese vielschichtige, fassgeprägte Statur macht den 1796 zu einem der komplexesten Rums Venezuelas.
Steckbrief Santa Teresa 1796:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse aus Zuckerrohr
Fassreifung: Solera-Verfahren, bis zu 35 Jahre, Whisky-, Cognac- und Portweinfass
Hersteller: Hacienda Santa Teresa, Aragua, Venezuela
Herstellung im Detail: Drei Fasstypen im Solera-System
Anders als viele Solera-Rums, die sich auf Bourbon- und Sherryfässer beschränken, kombiniert Santa Teresa für den 1796 gezielt drei unterschiedliche europäische Fasstraditionen: Whisky-Fässer liefern eine trockene, holzbetonte Basis, Cognac-Fässer bringen weinige, traubige Nuancen mit, während Portweinfässer zusätzliche Süße und dunkle Fruchtnoten beisteuern. Innerhalb des dynamischen Solera-Systems werden diese unterschiedlich gereiften Bestände kontinuierlich neu vermählt, sodass mit jeder Abfüllung ein komplexes, aber konsistentes Geschmacksbild entsteht. Diese Kombination aus drei Fasstypen ist eine Besonderheit, die den 1796 von vielen anderen lateinamerikanischen Solera-Rums abhebt und ihm seine charakteristische, vielschichtige Komplexität verleiht.
Die Auswahl gerade dieser drei Fasstypen ist kein Zufall, sondern spiegelt die europäisch geprägte Handelsgeschichte Venezuelas wider: Whisky-, Cognac- und Portweinfässer waren historisch über die Handelsrouten des Landes verfügbar und wurden von der Familie Vollmer gezielt für die Rum-Reifung genutzt, lange bevor internationale Fass-Finishs in der Rum-Branche zum Trend wurden. Diese frühe Offenheit gegenüber unterschiedlichen europäischen Fasstraditionen gilt als einer der Gründe, warum Santa Teresa innerhalb Venezuelas als besonders innovatives und experimentierfreudiges Rum-Haus wahrgenommen wird – ein Ruf, der bis heute die Produktentwicklung des Unternehmens prägt.
Verwendung des Santa Teresa 1796
- Pur oder mit einem Tropfen Wasser: So entfalten sich die unterschiedlichen Fassnoten am deutlichsten.
- Rum Old Fashioned: Die fruchtig-würzige Komplexität macht den 1796 zu einer hervorragenden Basis für diesen Klassiker.
- Als Digestif nach dem Essen: Im Tulpenglas bei Zimmertemperatur entfaltet sich das volle Aromenspektrum.
- Zu Trockenfrüchten oder dunkler Schokolade: Die Rosinen- und Karamellnoten harmonieren hervorragend mit intensiven Süßspeisen.
- Mit einem Espresso danach: Die Röstnoten des 1796 ergänzen sich gut mit einem starken, dunklen Kaffee zum Ausklang.
Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Solera-Rums wie dem guatemaltekischen Ron Zacapa 23 zeigt der Santa Teresa 1796 durch seine drei unterschiedlichen Fasstypen eine noch komplexere, weniger einheitlich süße Stilistik. Innerhalb des venezolanischen Rum-Segments bleibt er neben dem Diplomático Reserva Exclusiva eine der beiden wichtigsten Referenzen für gereifte Premium-Rums aus dem Land – wobei Santa Teresa sich stilistisch etwas trockener und weniger dominant süß präsentiert als das ebenfalls fasslastige, aber deutlich weichere Diplomático-Sortiment.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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