Die Kombination im Überblick
London No. 1 Original Blue Gin und Thomas Henry Tonic Water verbinden eine ungewöhnliche Optik mit einer sehr klassischen Idee. Der London No. 1 wird von Master Distiller Charles Maxwell bei Thames Distillers hergestellt und verdankt seine markante türkis-blaue Farbe einer Mazeration mit Gardenienblüten sowie einer abschließenden Bergamotte-Infusion – ein rein pflanzliches Färbeverfahren ohne künstliche Zusatzstoffe. Botanisch bleibt der Gin dabei fest in der London-Dry-Tradition verankert: Wacholder, Koriander, Angelika- und Orriswurzel bilden das Grundgerüst, bevor Kassia, Zimt und die floralen Bergamotte-Gardenien-Noten eine zweite, parfümiert-würzige Ebene daraufsetzen. Thomas Henry, mit seiner ausgeprägten Chinin-Bitterkeit und kaum vorhandener Süße, ist im Katalog eher als Partner für kräftige, wacholderbetonte Klassiker bekannt – bei einem so botanisch aufwendigen, floral geprägten Gin wie dem London No. 1 lohnt sich ein genauerer Blick darauf, ob diese Strenge der eigentlichen Stärke des Gins eher nützt oder schadet.
Warum diese Kombination funktioniert
Der London No. 1 ist von allen vier Gins dieses Batches der botanisch vielschichtigste: Neben der klassischen Basis aus Wacholder, Koriander und Angelikawurzel bringt er mit Kassia, Zimt und einer ingwerartigen Schärfe warme Würze mit, während Bergamotte und Gardenienblüten für eine parfümiert-florale Note sorgen, die stark genug ist, um dem gesamten Gin seinen Charakter zu geben. Genau darin liegt die Herausforderung: Thomas Henrys kräftige, kaum abgefederte Chinin-Bitterkeit ist deutlich weniger nachsichtig als ein süßeres Tonic und könnte die empfindlicheren Blütentöne theoretisch in den Hintergrund drängen. Dass die Kombination trotzdem überzeugt, liegt an der soliden klassischen Basis des Gins: Wacholder, Koriander und Angelika sind kräftig genug angelegt, um der Bitterkeit standzuhalten, und die warme Kassia-Zimt-Würze bildet eine Brücke zwischen der herben Tonic-Note und der floralen Oberschicht. Die Gardenien-Bergamotte-Note wird dadurch nicht ausgelöscht, sondern eher gestrafft und weniger süßlich-parfümiert als mit einem milderen Tonic – ein Effekt, der Liebhabern eines strukturierteren Drinks entgegenkommt, während wer die florale Seite maximal ausgekostet erleben möchte, eher zu einem zurückhaltenderen Tonic greifen sollte.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich zunächst die parfümiert-blumige Gardenien-Bergamotte-Note des Gins, die von der harzig-trockenen Chinin-Bitterkeit des Thomas Henry unterlegt wird – deutlich weniger süßlich als bei einem klassischen Indian Tonic. Am Gaumen tritt die warme, ingwerartig-würzige Kassia-Zimt-Note in den Vordergrund, getragen von spürbarer Tonic-Bitterkeit, während Wacholder und Koriander für Struktur sorgen. Die floralen Noten bleiben präsent, wirken aber herber und weniger parfümiert als in milderen Kombinationen desselben Gins. Süße spielt kaum eine Rolle, eine ausgeprägte Säure ebenfalls nicht – die dezente Zitrusnote von Bergamotte und Orangenschale bleibt eher im Hintergrund. Der Abgang ist lang, würzig-bitter und klingt mit einem trockenen, leicht harzigen Hauch Gardenie aus, der spürbar weniger süß nachhallt als bei einem klassischen Indian Tonic.
Serviervorschlag
Großes Ballonglas mit reichlich Eis und einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) – bei der auffälligen blauen Farbe lohnt sich zusätzlich ein Glas mit klarer, dünner Wandung, damit die Farbe voll zur Geltung kommt. Als Garnitur passt eine Zitronenzeste gut, da sie die vorhandenen Zitrusnoten von Bergamotte und Orangenschale unterstreicht, ohne die floralen Haupttöne zu überladen. Von zusätzlichen blumigen Garnituren wie Lavendel- oder Rosenblüten sollte eher abgesehen werden – der Gin bringt mit Gardenie und Bergamotte bereits genug florale Intensität mit, und die kräftige Tonic-Bitterkeit braucht kein weiteres konkurrierendes Aroma im Glas.
Einordnung & Vergleich
Im Katalog existiert mit London No. 1 Original Blue Gin & Schweppes Indian Tonic Water bereits eine ebenfalls mit 4/5 bewertete Kombination desselben Gins, die sich aber deutlich anders anfühlt: Schweppes bringt spürbare Süße mit, die die Gardenien-Bergamotte-Note rund und parfümiert wirken lässt, während Thomas Henry mit seiner trockenen Bitterkeit denselben Gin herber, strukturierter und weniger süßlich präsentiert. Welche der beiden Varianten die bessere ist, hängt letztlich vom gewünschten Trinkerlebnis ab – wer den London No. 1 als weichen, blumig-süßen Drink erleben möchte, ist mit Schweppes besser bedient, wer eine trockenere, herbere Interpretation bevorzugt, mit Thomas Henry. Im Vergleich zu Siegfried Rheinland Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water, wo eine einzelne florale Note (Lindenblüte) neben kräftigem Wacholder gut mit derselben Tonic-Bitterkeit harmoniert, zeigt der London No. 1, dass auch eine deutlich dichtere florale Schicht der Bitterkeit standhalten kann – solange die klassische Botanical-Basis darunter kräftig genug bleibt.
Fazit
4/5 Punkte. Eine überraschend stimmige, wenn auch nicht ganz mühelose Kombination: Thomas Henrys kräftige Bitterkeit fordert die florale Seite des London No. 1 heraus, statt sie einfach zu tragen, und das solide klassische Fundament des Gins besteht diese Probe. Empfehlenswert für alle, die den London No. 1 einmal in einer herberen, weniger süßlichen Variante erleben möchten. Wer dagegen die parfümiert-blumige Seite des Gins maximal auskosten will, ist mit der etwas milderen Schweppes-Kombination nach wie vor besser beraten.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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