Wild Turkey 101 – der kraftvolle Kentucky-Bourbon mit Tradition
Der Wild Turkey 101 wird in der Wild Turkey Distillery in Lawrenceburg, Kentucky, hergestellt und verdankt seinen Namen einer Truthahnjagd in den 1940er-Jahren, bei der ein Firmenvertreter Freunden eine Fassprobe des noch namenlosen Bourbons mitbrachte. Legendär ist vor allem die außergewöhnlich lange Amtszeit von Master Distiller Jimmy Russell, der seit den späten 1950er-Jahren für die Rezeptur verantwortlich ist und als einer der dienstältesten Brennmeister der USA gilt.
Geschichte: Von der Ripy-Brennerei zum Campari-Konzern
Die Wurzeln der Destillerie reichen bis 1891 zurück, als Thomas Ripy in Tyrone, Kentucky, die Old-Hickory-Distillery gründete. Nach dem Ende der Prohibition nahm die Familie Ripy die Bourbon-Produktion wieder auf und belieferte zunächst Großhändler, darunter den New Yorker Spirituosenhändler Austin Nichols. Der Name "Wild Turkey" entstand 1940, als ein Vertreter von Austin Nichols namens Thomas McCarthy Fassproben zu einer Truthahnjagd mitbrachte — seine Jagdfreunde fragten in den Folgejahren immer wieder nach "diesem Wild-Turkey-Bourbon", bis Austin Nichols den Whiskey 1942 offiziell unter diesem Namen zu vermarkten begann. 1971 übernahm Austin Nichols die Brennerei komplett und benannte sie in Wild Turkey Distillery um. Über die Jahrzehnte wechselte die Marke mehrfach den Besitzer: 1980 übernahm Pernod Ricard, bevor der italienische Campari-Konzern die Destillerie 2009 kaufte und bis heute hält. Ein schwerer Rückschlag ereignete sich im Jahr 2000, als ein Großbrand in einem Lagerhaus mehr als 17.000 Fässer zerstörte und den nahegelegenen Kentucky River auf einer Strecke von rund 100 Kilometern verunreinigte, was damals zu einem massiven Fischsterben führte. Trotz dieser Rückschläge und der mehrfachen Konzernwechsel blieb die Rezeptur des Wild Turkey über die Jahrzehnte bemerkenswert konstant — nicht zuletzt dank Jimmy Russell, der über sieben Jahrzehnte hinweg als Master Distiller die Kontinuität der Marke sicherte und bis heute als eine der einflussreichsten Figuren der gesamten Bourbon-Branche gilt.
Der Wild Turkey 101 im Speziellen
Namensgebend für den "101" ist die Trinkstärke von 101 US-Proof (entspricht 50,5 % Vol.) — deutlich höher als die meisten Standard-Bourbons, die üblicherweise bei 80 bis 90 Proof abgefüllt werden. Diese höhere Stärke sorgt für ein intensiveres, kräftigeres Geschmacksprofil, das unter Bourbon-Kennern und Bartendern gleichermaßen geschätzt wird. Innerhalb des Wild-Turkey-Sortiments bildet der 101 die bekannteste und meistverkaufte Abfüllung, während unter dem Namen "Russell's Reserve" zusätzliche, gereiftere Editionen der Destillerie vermarktet werden.
Herstellung: Niedrige Fassstärke als bewusste Stilentscheidung
Anders als viele Konkurrenten, die ihren Bourbon möglichst nah an der gesetzlich zulässigen Höchststärke von 80 % ABV destillieren, setzt Wild Turkey bewusst auf eine vergleichsweise niedrige Destillationsstärke von rund 55 % ABV. Diese Entscheidung, die auf Jimmy Russell zurückgeht, erhält mehr der ursprünglichen Getreidearomen und der charakteristischen Roggenwürze, die bei höherer Destillationsstärke verloren gehen würden. Der hohe Roggenanteil in der Maische im Vergleich zu vielen anderen Bourbons verleiht dem Wild Turkey 101 seine typische, pfeffrig-würzige Schärfe, die ihn deutlich von milderen, maisdominierten Bourbons unterscheidet. Gelagert wird der Bourbon zudem in stark ausgekohlten, neuen amerikanischen Weißeichenfässern in mehrstöckigen Lagerhäusern, in denen die schwankenden Temperaturen Kentuckys zwischen heißen Sommern und kalten Wintern die Reifung zusätzlich beschleunigen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Kupfer-Bernstein.
- Nase: Kräftige Vanille, Karamell und eine deutliche Roggenwürze mit Pfeffernoten, dazu ein Hauch gerösteter Eiche.
- Gaumen: Kraftvoll und würzig – Karamell, Vanille und eine spürbare, warme Roggenschärfe, getragen von der hohen Trinkstärke und einer festen, öligen Textur.
- Abgang: Lang, würzig und warm, mit nachklingender Eiche und einem Hauch Honig.
Genuss-Empfehlung
Der Wild Turkey 101 entfaltet sich pur, auf Eis oder als robuste Basis für einen Old Fashioned, dessen Bitterstoffe und Zucker die Roggenwürze des Bourbons gut ausbalancieren. Kulinarisch passt er hervorragend zu gegrilltem Fleisch, BBQ-Ribs oder dunkler Schokolade — kräftige Aromen, die seiner Intensität standhalten. Auch pur in einem Tumbler-Glas mit einem großen Eiswürfel zeigt er sich von seiner robusten, würzigen Seite, während ein tulpenförmiges Nosing-Glas die feineren Vanille- und Karamellnoten besser zur Geltung bringt.
Fazit
Der Wild Turkey 101 ist die erste Wahl für alle, die einen kräftigeren, intensiveren Bourbon jenseits der milderen Standardabfüllungen suchen. Im Vergleich zu anderen Kentucky-Bourbons wie Buffalo Trace oder Four Roses Single Barrel zeigt sich der Wild Turkey durch seine hohe Trinkstärke und die ausgeprägte Roggenwürze als einer der intensivsten Standard-Bourbons überhaupt. Pur, auf Eis oder als robuste Basis für einen Old Fashioned zeigt er eindrucksvoll, warum er seit Jahrzehnten zu den Kult-Bourbons zählt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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