Herstellung des Beefeater London Dry Gin:
James Burrough erwarb 1863 für rund 400 Pfund eine kleine Destillerie in Chelsea und begründete 1876 die Marke Beefeater, benannt nach den "Beefeaters", den Yeoman Warders des Tower of London. Über eine Zwischenstation in Lambeth ab 1908 zog die Destillerie 1958 in ein ehemaliges Fabrikgebäude der Firma Haywards Military Pickles in Kennington – bis heute der Sitz der Produktion und einer der Gründe, warum Beefeater als einer der letzten großen Gins gilt, der tatsächlich noch mitten in London hergestellt wird. 1987 übernahm die Brauereigruppe Whitbread das Familienunternehmen, 2005 ging die Marke schließlich an Pernod Ricard über, der seither in Infrastruktur und ein eigenes Besucherzentrum investiert hat.
Geprägt wurde Beefeater über drei Jahrzehnte von Master Distiller Desmond Payne, der 1995 zur Marke kam, nachdem er zuvor 25 Jahre lang bei Plymouth Gin gearbeitet hatte, und der sich maßgeblich dafür einsetzte, die Produktion trotz Umstrukturierungsplänen in Kennington zu belassen. Payne ging im Dezember 2025 im Alter von fast 78 Jahren in den Ruhestand – als einer der meistausgezeichneten Gin-Brenner überhaupt, unter anderem mit dem Lifetime Achievement Award der Gin Guild (2015), dem Lifetime Achievement Award des IWSC (2016) und einer MBE von Queen Elizabeth II. für seine Verdienste um die britische Gin-Industrie (2018). Sein Nachfolger als Head Distiller, Adam Cocker, führt die Rezeptur der neun Botanicals fort, die 24 Stunden lang in neutralem Getreidealkohol mazeriert und anschließend in traditionellen Kupferbrennblasen destilliert werden. Charakteristisch für den Beefeater ist der vergleichsweise hohe Anteil an Zitrusschalen, der ihm seine unverkennbare, frische Note verleiht.
Verkostung des Beefeater London Dry Gin:
In der Nase präsentiert sich der Beefeater klassisch wacholderbetont, mit deutlichen Zitrusnoten von Zitronen- und Orangenschale sowie einem Hauch Angelikawurzel. Am Gaumen zeigt er sich trocken und geradlinig: Wacholder und Koriander bilden das Rückgrat, während die Zitrusfrische für Lebendigkeit sorgt. Ein feiner erdiger Unterton durch Süßholzwurzel und Mandel rundet das Profil ab. Der Abgang ist klar, trocken und angenehm lang, ohne aufdringliche Süße — ein Musterbeispiel für den klassischen London Dry Stil.
Steckbrief Beefeater London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Angelikawurzel, Angelikasamen, Koriandersamen, Süßholzwurzel, Mandeln, Orisswurzel, Zitronenschale, Bitterorangenschale
Hersteller: James Burrough Ltd. (Pernod Ricard)
Botanicals des Beefeater London Dry Gin im Detail
Die neun Botanicals von James Burroughs Originalrezept sind bis heute weitgehend unverändert: Wacholder und Koriandersamen bilden das klassische Fundament, Angelikawurzel und -samen sorgen für die erdig-würzige Basis, die einem London Dry Gin seine Struktur gibt. Süßholzwurzel und Mandeln steuern eine dezente, nie aufdringliche Süße bei, Orriswurzel wirkt als Fixativ, das die flüchtigeren Aromen bindet. Das eigentliche Markenzeichen ist jedoch der Anteil an Zitronen- und Bitterorangenschale, der deutlich höher liegt als bei vielen anderen London-Dry-Gins und dem Beefeater seine sofort erkennbare, frische Zitrusnote verleiht – ein Grund, warum die Marke seit Jahrzehnten sowohl bei Puristen als auch in der internationalen Bar-Szene als Referenzgröße für den London-Dry-Stil gilt.
Verwendung des Beefeater London Dry Gin
- Gin & Tonic: Der Beefeater eignet sich hervorragend für einen klassischen, unkomplizierten Gin & Tonic. Ein neutrales bis leicht zitroniges Tonic Water wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water bringt die Zitrusnoten schön zur Geltung, garniert mit einer Zitronenzeste statt Limette.
- Martini: Als traditioneller London Dry Gin ist der Beefeater eine hervorragende Wahl für einen klassischen Dry Martini, in dem seine trockene, wacholderbetonte Struktur voll zur Geltung kommt.
Der Beefeater London Dry Gin richtet sich an Gin-Trinker, die einen unverfälschten, authentischen London-Dry-Stil suchen, ohne für die Herkunft aus London einen Aufpreis zu zahlen – anders als viele Wettbewerber, die den Begriff "London Dry" nur als Stilbezeichnung tragen, wird der Beefeater tatsächlich noch in der Stadt selbst gebrannt. Wer eine intensivere Variante sucht, findet sie im hochprozentigeren Beefeater Crown Jewel Gin oder im teebetonten Beefeater 24 Gin, während der klassische London Dry als Einstieg in die Marke und als verlässlicher Allrounder für Gin & Tonic wie für klassische Cocktails dient.
Im Vergleich zu anderen großen London-Dry-Marken wie Gordon's London Dry Gin oder Tanqueray London Dry Gin fällt der Beefeater durch seinen spürbar höheren Zitrusanteil auf, der ihn frischer und weniger rein wacholderdominiert wirken lässt. Diese Balance aus Tradition und Zugänglichkeit hat ihn über mehr als 150 Jahre zu einem der meistprämierten Gins der Welt gemacht – ein Ruf, den auch der neue Head Distiller Adam Cocker fortführen soll.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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