Die Kombination im Überblick
Nordes Atlantic Galician Gin und Fever-Tree Premium Indian Tonic Water sind die auf der Nordes-Produktseite selbst als "Klassiker" bezeichnete Kombination. Der Nordés entstand aus einer Idee dreier Freunde – einem preisgekrönten Sommelier, einem galicischen Weinhändler und einem Destillateur –, die einen Gin schaffen wollten, der die Aromenwelt Galiciens im spanischen Nordwesten einfängt. Namensgeber ist der "Nordés", ein beständiger Nordwind, der den Galiciern traditionell gutes Wetter ankündigt; auch die Flaschenform ist der traditionellen galicischen Keramik des Ortes Sargadelos nachempfunden. Sein Alleinstellungsmerkmal ist ein Destillat aus Albariño-Trauben, der in der Region beheimateten weißen Rebsorte, das mit insgesamt 15 überwiegend küstennahen Botanicals verschnitten wird. Mit 40 % vol. positioniert sich dieser New Western Gin bewusst zwischen Gin und Weinbrand – und trifft im Fever-Tree auf ein Tonic, das genau die Struktur mitbringt, die eine so weinige, florale Aromatik braucht, um nicht konturlos zu wirken.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Nordés lebt von einer ungewöhnlichen Kombination aus Weinfrucht, Kräutern und Meeresnoten: Queller (Meeresspargel) sorgt für eine dezente Salzigkeit, Eukalyptus und Salbei bringen kräuterige, leicht mentholige Frische, Hibiskus und Tee steuern florale Tiefe bei, während Zitronengras und Ingwer für Frische sorgen. Wacholder tritt dabei, wie für den New-Western-Stil typisch, deutlich zugunsten von Frucht und Kräutern zurück. Genau hier setzt das Fever-Tree an: Seine Chinin-Bitterkeit aus tansanischer und kongolesischer Chinarinde sowie das natürliche Bitterorangenöl geben dem sonst eher weichen, weinig-floralen Charakter des Gins ein Rückgrat, ohne die salzige Queller-Note oder die Kräuteraromen zu verdrängen. Weil der Nordés selbst kaum Bitterkeit oder Wacholderschärfe mitbringt, würde ein ebenso zurückhaltendes Tonic den Drink schnell in Richtung Beliebigkeit treiben – das Fever-Tree verhindert genau das, ohne dabei die önologische, weinnahe Balance aus Süße, Säure und Salzigkeit zu stören, auf die der Sommelier unter den drei Gründern von Anfang an besonderen Wert gelegt hat.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich die Kombination außergewöhnlich fruchtig-floral: eine süße Grundnote verbindet sich mit Aromen gelber Früchte, während dezente Weißwein-Anklänge nach Trauben durchscheinen. Am Gaumen vereinen sich salzige Lakritz-Aromen mit floralen Tönen; eine dezente Zitrusfrische mit Limettenaromen sorgt für Ausgleich zur präsenten, aber nie aufdringlichen Süße. Dezent schmeckbar bleiben (Wein-)Trauben und Kräuter, während Wacholder und Alkohol kaum in Erscheinung treten. Die feine Bitterkeit des Fever-Tree bleibt dabei stets im Hintergrund, spürbar genug, um Struktur zu geben, aber zurückhaltend genug, um die florale Wein-Aromatik nicht zu überdecken. Der Abgang ist lang, mit Lakritze, Kräutern und Limette.
Serviervorschlag
Serviert wird der Nordés Gin & Tonic am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis, in einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic), damit sich die filigranen Frucht- und Kräuternoten langsam entfalten können. Als Garnitur empfiehlt sich eine dünne Limettenscheibe, die die im Gaumen ohnehin vorhandene Limettenfrische aufgreift, oder alternativ eine grüne Weintraube, die an das namensgebende Albariño-Destillat erinnert und den weinigen Charakter der Kombination optisch unterstreicht.
Einordnung & Vergleich
Wer die florale, weinige Seite des Nordés noch stärker in den Vordergrund rücken möchte, findet auf der eigenen Produktseite eine zweite Empfehlung: das deutlich zurückhaltendere 1724 Tonic Water, das die feinen Frucht- und Blütennoten des Gins kaum überdeckt. Im Vergleich zeigt sich, wie unterschiedlich beide Tonics dieselbe Aromenbasis interpretieren: Das 1724 lässt dem Nordés maximale Freiheit und rückt Frucht und Blüten noch weiter nach vorn, wodurch der Drink milder, aber auch etwas diffuser wirkt. Das Fever-Tree dagegen bringt eine klar wahrnehmbare, aber nie dominante Bitterkeit ein, die der Kombination mehr Kontur gibt und verhindert, dass Süße und Blütenaromatik allein den Ton angeben. Für alle, die den Nordés zum ersten Mal probieren, ist das Fever-Tree damit der naheliegendere Einstieg; wer die weinige, blütenreiche Seite des Gins bereits kennt und noch weiter ausreizen möchte, kann anschließend das 1724 als kontrastierende zweite Variante testen.
Fazit
5/5 Punkte. Ein sehr runder, milder, fast sanfter Gin & Tonic, dessen Aromen dennoch nie langweilig wirken, weil sie stets in einer gewissen Spannung zueinanderstehen – salzig gegen süß, floral gegen kräuterig, weinig gegen frisch. Die dezente, aber präsente Bitterkeit des Fever-Tree hält diese Spannung zusammen, ohne sie aufzulösen. Eine der stimmigsten Kombinationen für alle, die florale New-Western-Gins und eine unaufdringliche, weinnahe Aromatik schätzen; wer dagegen einen klassisch wacholderbetonten Gin & Tonic sucht, wird beim Nordés naturgemäß wenig finden. Bemerkenswert bleibt vor allem, wie konsequent die Herkunft der drei Gründer – allen voran der Sommelier unter ihnen, der die spanische Auszeichnung "Nariz de Oro" für die beste Nase des Landes gewann – den fertigen Gin bis in die kleinsten Details prägt: Das Ergebnis ist eine Balance aus Süße, Säure und Salzigkeit, wie man sie eher von einem sorgfältig komponierten Wein erwartet als von einer klassischen Spirituose.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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