Die Kombination im Überblick
G'Vine Floraison Gin und 1724 Tonic Water treffen zwei ungewöhnliche Konzepte aufeinander, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sich aber überraschend gut ergänzen. Der Floraison ist einer der wenigen Gins, die statt auf Getreide auf einem Traubendestillat aus der Ugni-Blanc-Rebe basieren und zusätzlich mit Weinblüten der Vitis-vinifera-Rebe arbeiten – eine Rezeptur, die dem Gin einen weichen, weinig-blumigen Grundcharakter gibt, in dem Wacholder bewusst zurücktritt. Das 1724 wiederum wurde ursprünglich für den kräuterbetonten Gin Mare entwickelt und setzt auf handgeerntete Chinarinde aus dem peruanischen Hochland, Patagonien-Quellwasser und eine feine Mandarinennote – bewusst zurückhaltend, um komplexen Gin-Botanicals Raum zu lassen. Genau dieses Konzept der Zurückhaltung ist es, das die Kombination mit dem Floraison so gut funktionieren lässt: Auf der eigenen Produktseite empfiehlt G'Vine selbst ein mildes, nicht zu bitteres Tonic, und das 1724 erfüllt diese Vorgabe nahezu idealtypisch, obwohl es ursprünglich für einen ganz anderen Gin-Typ konzipiert wurde.
Warum diese Kombination funktioniert
Mit anderen, kräftiger dosierten Tonic Waters neigt der Floraison dazu, seine feinen floralen und weinigen Nuancen zu verlieren oder sogar leicht seifig zu wirken, wenn eine zu präsente Bitterkeit oder Süße dazwischenfunkt. Das 1724 umgeht dieses Problem, weil es selbst kaum eigene Bitterspitzen mitbringt und seine Süße sehr dezent dosiert ist. Dadurch bleibt Raum für die Weinblüten, den grünen Kardamom und die feine Ingwerwärme des Floraison, während die milde Mandarinennote des Tonics die florale Süße des Gins zusätzlich stützt, statt sie zu überdecken. Auch der Cassia-Zimt im Abgang des Floraison bekommt so genug Gelegenheit, sich zu zeigen. Bezeichnend ist dabei der Kontrast zu einer anderen 1724-Kombination im Programm: Beim würzig-orientalischen Opihr Oriental Spiced London Dry Gin lässt dieselbe Zurückhaltung des Tonics der dominanten Kardamom- und Kreuzkümmelwürze zu viel Raum, sodass die Kombination aus Opihr und 1724 nur bedingt überzeugt. Beim Floraison dagegen trifft dieselbe Zurückhaltung auf einen Gin, dessen Aromen von Natur aus leise und fein austariert sind – hier wird aus der vermeintlichen Schwäche des Tonics seine größte Stärke.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der fertige Drink blumig-fruchtig, mit den Weinblüten und der weichen Traubenfrucht des Floraison im Zentrum, ergänzt um die feine Mandarinennote des 1724. Säure spielt dabei kaum eine Rolle – konsistent mit dem eher zurückhaltenden Säureprofil der Kombination bleibt der Eindruck durchgehend mild statt spritzig-frisch. Am Gaumen zeigt sich der Drink sehr samtig und rund: Wacholder ist kaum schmeckbar, der Alkohol tritt angenehm zurück, während grüner Kardamom und eine dezente Ingwerwärme langsam an Kontur gewinnen. Die moderate Süße des Zusammenspiels wirkt dabei nie aufdringlich, sondern rundet die floralen Noten ab und verleiht dem Drink seine bemerkenswerte Balance. Im langen Abgang treten Cassia-Zimt und eine leichte Würze hinzu, begleitet von einem letzten Hauch Weinblüte – ein vielschichtiger, aber niemals überladener Ausklang.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination am besten im großen Ballonglas mit reichlich Eis, damit sich die feinen floralen Nuancen langsam und in Ruhe entfalten können, statt durch zu schnelle Erwärmung an Kontur zu verlieren. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) hat sich bewährt, da es dem Floraison genug Präsenz lässt, ohne das zurückhaltende Tonic zu überfordern. Als Garnitur passt eine grüne Weintraube besonders gut zum weinigen Grundcharakter des Gins, alternativ sorgt ein Zweig Minze für einen frischen, unaufdringlichen Kontrapunkt. Auf kräftige Zitrus- oder Kräutergarnituren sollte eher verzichtet werden, da sie die fein austarierte, blumig-milde Balance der Kombination stören würden.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb der 1724-Familie zeigt sich am Floraison exemplarisch, wofür dieses Tonic ursprünglich gedacht war: als Begleiter für aromatisch komplexe, aber nicht zu laute Gins. Ähnlich wie beim ebenfalls empfohlenen Monkey 47 Dry Gin bekommt auch der Floraison durch die Zurückhaltung des Tonics den nötigen Raum, seine Nuancen zu entfalten – nur dass beim Floraison statt einer Fülle von über 47 Botanicals gerade die wenigen, aber prägnanten Zutaten Weinblüte, Kardamom und Zimt im Mittelpunkt stehen. Der bereits erwähnte Kontrast zum Opihr macht dabei deutlich, dass das 1724 kein Allrounder ist, sondern ein Tonic mit klarem Profil: Bei gewürzintensiven Gins gerät es an seine Grenzen, bei floralen, weinig-milden Gins wie dem Floraison spielt es dagegen seine größte Stärke aus. Innerhalb des Katalogs teilt sich auch der Blackwood's Vintage Dry Gin dasselbe Tonic – dort trifft die Zurückhaltung des 1724 allerdings auf ein völlig anderes, kräftig-krautiges Botanical-Profil, was zeigt, wie flexibel das Tonic innerhalb der Bandbreite "nicht zu lauter Gins" tatsächlich einsetzbar ist.
Fazit
5/5 Punkte. Diese Kombination ist füreinander geschaffen: Das 1724 Tonic bringt die komplexen, blumig-weinigen Aromen des Floraison in den Mittelpunkt, ohne sie zu übertönen, und lässt gleichzeitig genug Raum für die langsam heranreifende Würze aus Kardamom und Zimt. Empfehlenswert für alle, die einen milden, eleganten Gin & Tonic abseits des klassisch wacholderbetonten Stils suchen und bereit sind, sich auf ein ungewöhnlich weiches, weinig-blumiges Geschmacksbild einzulassen. Wer dagegen kräftigen, klassischen Wacholdergeschmack erwartet, sollte eher zu einer robusteren Gin-Tonic-Paarung greifen – hier steht die feine Balance klar im Vordergrund.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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