Iris Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (3/5)

Gin & Tonic

Iris Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (3/5)

3/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Iris Dry Gin und Thomas Henry Tonic Water treffen zwei Produkte mit sehr unterschiedlichem Auftreten aufeinander. Der Iris stammt von der Scholerhof Brennerei im Markgräflerland am Fuß des südlichen Schwarzwalds, wo Iris Krader den Hof vor rund 25 Jahren von ihrem Onkel übernahm. In einer kleinen, holzbefeuerten 150-Liter-Wasserbad-Brennblase entsteht dort ein Gin mit mehr als 20 Botanicals, von denen viele direkt aus der Region stammen: handgepflückter Wacholder, Lavendel- und Rosenblüten aus dem eigenen Hofgarten, dazu Brombeerblätter, Schlehen, Minze und Preiselbeeren aus dem Schwarzwald. Das Ergebnis ist ein weicher, floral-fruchtiger New-Western-Gin, der sich bewusst von der reinen Wacholder-Dominanz klassischer London Dry Gins entfernt. Thomas Henry Tonic Water dagegen steht für das genaue Gegenteil: eine trockene, kaum gesüßte Rezeptur mit ausgeprägter, harzig-krautiger Chinin-Bitterkeit, die ursprünglich für kräftige, wacholderbetonte Dry Gins konzipiert wurde. Diese Kombination wurde bewusst zusammengestellt, um genau diese Grenze auszuloten: Wie verträgt sich ein deutlich floraler Gin mit einem Tonic, dessen Stärke gerade in seiner Bitterkeit liegt?

Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert

Auf der eigenen Produktseite empfiehlt Scholerhof für den Iris ausdrücklich blumig-komplexe Tonics wie das Thomas Henry Botanical Tonic oder das Fever-Tree Elderflower Tonic Water – beides Rezepturen, die auf floralen Zutaten statt auf ausgeprägte Bitterkeit setzen und damit das ohnehin schon zarte Lavendel-Rosen-Bouquet des Gins gezielt unterstützen. Das klassische Thomas Henry Tonic Water verfolgt einen anderen Ansatz: Es hält sich zwar bei Süße und Fruchtaromen zurück, bringt dafür aber eine deutliche, harzig-trockene Chinin-Bitterkeit mit, die für kräftige, wacholderbetonte Gins gedacht ist. Beim Iris zeigt sich, dass diese Bitterkeit die empfindlichen floralen Noten – vor allem Rosenblüte und Lavendel – tatsächlich in den Hintergrund drängt, während Kardamom, Wacholder und die pfeffrige Würze des Gins stärker hervortreten. Das ist nicht grundsätzlich unstimmig, verändert den Charakter des Iris aber deutlich: Aus einem weichen, blumig-fruchtigen Gin wird ein spürbar herberer, würzigerer Drink, der einen Teil dessen einbüßt, was den Iris eigentlich auszeichnet.

Verkostung der Kombination

In der Nase dominiert zunächst die harzig-krautige Chinin-Note des Thomas Henry, während sich Lavendel und Rosenblüte nur noch als feiner, fast zurückhaltender Unterton bemerkbar machen. Am Gaumen zeigt sich der Drink herber und würziger, als es der pure Gin vermuten lässt: Kardamom und Wacholder treten deutlich hervor, unterstützt von der spürbaren Bitterkeit des Tonics, während die floralen Noten eher angedeutet als tragend wirken. Süße spielt praktisch keine Rolle, was der insgesamt geringen Süße beider Komponenten entspricht; auch die Säure bleibt zurückhaltend, da weder der Gin noch das Tonic auf ausgeprägte Zitrusfrische setzen. Der Abgang ist würzig-trocken mit einer an Kiefernnadeln erinnernden Frische, in dem sich erst ganz am Ende ein letzter Hauch Rosenblüte zeigt – ein durchaus interessanter, aber deutlich weniger blumiger Drink, als es die Botanical-Liste des Iris vermuten ließe.

Serviervorschlag

Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis und einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) hilft, die Bitterkeit etwas abzumildern, damit die floralen Noten des Iris zumindest ansatzweise zur Geltung kommen. Als Garnitur empfiehlt sich ein Zweig frischer Minze oder ein Rosenblütenblatt, sofern erhältlich – beides greift Zutaten auf, die im Gin selbst enthalten sind, und hilft, die vom Tonic verdrängte florale Seite wieder etwas hervorzuholen. Auf zusätzliche Bitterorangen- oder Zitrusgarnituren sollte eher verzichtet werden, da sie die bereits deutliche Bitterkeit des Drinks weiter verstärken würden, statt für Ausgleich zu sorgen.

Einordnung & Vergleich

Der eigentliche Vergleichsmaßstab für den Iris ist nicht ein anderer Gin, sondern das eigene Empfehlungspaar des Herstellers: das Thomas Henry Botanical Tonic und das Fever-Tree Elderflower Tonic Water. Beide Varianten arbeiten mit den floralen Botanicals des Iris statt gegen sie und lassen Lavendel und Rosenblüte deutlich klarer hervortreten als das klassische Thomas Henry Tonic Water. Wer den Iris in seiner eigentlichen, weichen Blumen-Frucht-Identität erleben möchte, ist mit einer dieser beiden Alternativen klar besser bedient. Das klassische Thomas Henry zeigt dagegen eine andere, herbere Seite des Gins, die zwar durchaus reizvoll ist – vor allem für alle, die den Iris weniger blumig und dafür würziger erleben möchten –, aber vom eigentlichen Konzept des Gins ein Stück wegführt. Im Vergleich zu klar wacholderbetonten Gins wie dem Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin, bei denen die Bitterkeit von Thomas Henry das ohnehin vorhandene Wacholderfundament stützt, fehlt dem Iris schlicht die entsprechende Gegenkraft, um der Chinin-Bitterkeit auf Augenhöhe zu begegnen.

Fazit

3/5 Punkte. Kein schlechter Gin & Tonic, aber eine Kombination mit klarer Einschränkung: Die ausgeprägte Bitterkeit des Thomas Henry überdeckt einen spürbaren Teil der floralen Identität, die den Iris eigentlich auszeichnet, und verschiebt den Charakter des Drinks in Richtung herb-würzig statt blumig-weich. Wer den Iris in seiner ursprünglichen, sanften Form genießen möchte, ist mit dem hauseigenen Botanical Tonic oder dem Fever-Tree Elderflower Tonic Water deutlich besser beraten. Für alle, die stattdessen einmal die würzigere, herbere Seite des Iris entdecken möchten, ist diese Kombination als Experiment aber durchaus interessant – nur eben nicht die naheliegendste Wahl für diesen speziellen Gin.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance2/5
Komplexität3/5
Säure/Frische2/5
Süße1/5