Die Kombination im Überblick
Sipsmith London Dry Gin und 1724 Tonic Water treffen zwei Konzepte, die in entgegengesetzte Richtungen zielen. Sipsmith wurde 2009 von den Jugendfreunden Sam Galsworthy und Fairfax Hall gegründet, die nach einem fast zweijährigen Genehmigungsverfahren als erste Kupferbrennblasen-Destillerie Londons seit fast 200 Jahren an den Start gingen. In der hauseigenen Brennblase „Prudence" entsteht der London Dry Gin bis heute im One-Shot-Verfahren: Alle zwölf Botanicals – allen voran eine kräftige Dosis Wacholder, ergänzt um Cassia-Rinde, Zimtstange, Mandel und Orris-Wurzel – werden gemeinsam destilliert, was dem Gin ein dichtes, klassisches Profil mit ausgeprägter Würze verleiht. Das 1724 dagegen wurde von den Machern des mediterranen Gin Mare entwickelt und verfolgt das genaue Gegenteil: eine bewusst zurückhaltende Rezeptur aus handgeernteter Chinarinde vom peruanischen Inka-Trail, Patagonien-Quellwasser und einer milden Mandarinennote, die komplexen, aber leisen Botanicals Raum lassen soll, statt eigene Akzente zu setzen. Diese Paarung ist damit weniger ein naheliegender Griff als ein Test, ob ein derart zurückhaltendes Tonic auch einem sehr klassischen, wacholderstarken London Dry gerecht werden kann.
Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert
Schon auf seiner eigenen Produktseite weist das 1724 auf seine Grenzen hin: Bei stark wacholderbetonten, klassischen London-Dry-Gins gehe sein eher leises Profil mitunter unter, heißt es dort ausdrücklich – kräftiger dosierte, chininbetontere Tonics seien in solchen Fällen oft die bessere Wahl. Sipsmith ist genau ein solcher Fall: Mit einer der höchsten Wacholderdosierungen im gesamten Katalog und einer dichten Würze aus Cassia, Zimt und nussiger Bitter-Mandel ist der Gin auf ein Tonic ausgelegt, das ihm mit eigener Chinin-Struktur begegnet, nicht auf eines, das sich zurücknimmt. Genau diese Struktur bringt das 1724 kaum mit: Ohne spürbare Bitterkeit fehlt dem dichten, warmen Würzekern des Sipsmith das nötige Gegengewicht, während die milde Mandarinennote des Tonics zwar für etwas Rundung sorgt, aber keine der scharfkantigen Konturen liefert, die den Gin sonst so klar und trocken wirken lassen. Der Drink wird dadurch nicht unangenehm, aber spürbar weicher und wärmer, als es dem eigentlichen Charakter des Sipsmith entspricht – eine Kombination, die eher zeigt, wo die Grenzen der 1724-Zurückhaltung liegen, als dass sie den Gin in seiner besten Form präsentiert.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der Drink harzig-wacholdrig mit warmer Zimt- und Cassia-Würze, unterlegt von einer dezenten, mandarinigen Süße, die sich unauffällig zwischen die Gewürznoten schiebt. Am Gaumen dominieren die nussigen, erdigen Aromen aus Bitter-Mandel und Angelikawurzel, während der Wacholder zwar präsent bleibt, aber ohne bitteres Gegengewicht etwas an Kontur verliert. Säure spielt praktisch keine Rolle, auch die Süße bleibt insgesamt zurückhaltend und tritt eher als sanfter Puffer in Erscheinung denn als eigene Ebene. Der Abgang ist mittellang, warm und würzig, wirkt im Vergleich zum gewohnt trocken-klaren Sipsmith-Charakter aber spürbar weicher und weniger konturiert – ein Gin & Tonic, der eher gemütlich als spritzig-frisch daherkommt.
Serviervorschlag
Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis ist auch hier die richtige Wahl, um den Drink nicht zu schnell verwässern zu lassen. Bei einem Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) bleibt der Wacholder gerade noch präsent genug, um nicht vollständig in der Würze unterzugehen. Als Garnitur empfiehlt sich eine Zitronenzeste statt der süßeren Mandarine oder Orange, da sie etwas von der fehlenden Frische ausgleicht, die dem 1724 hier abgeht. Von süßen oder kräuterigen Garnituren sollte eher abgesehen werden, da sie die ohnehin schon warme, weiche Aromatik der Kombination zusätzlich in Richtung Schwere verschieben würden.
Einordnung & Vergleich
Wie gut Sipsmith eigentlich mit einem strukturgebenden Tonic harmoniert, zeigen die beiden anderen Kombinationen im Katalog: Sowohl mit Fever-Tree Premium Indian Tonic Water als auch mit Thomas Henry Tonic Water erreicht der Gin die volle Punktzahl, weil beide Tonics mit spürbarer Chinin-Bitterkeit genau das liefern, was dem 1724 hier fehlt: ein Gegengewicht, das die dichte Würze und den kräftigen Wacholder scharf konturiert hält. Im Vergleich dazu wirkt die Kombination mit dem 1724 wie die mit Abstand mildeste, aber auch am wenigsten trennscharfe Variante des Sipsmith-Trios. Anders als beim würzig-orientalischen Opihr Oriental Spiced London Dry Gin, bei dem die Zurückhaltung des 1724 einer chaotischen Fülle einzelner scharfer Gewürze zu viel Raum lässt, liegt das Problem beim Sipsmith woanders: Es ist keine Gewürzflut, die außer Kontrolle gerät, sondern schlicht eine fehlende strukturelle Gegenspielerin für einen Gin, der von Klarheit und Trockenheit lebt.
Fazit
3/5 Punkte. Kein schlechter, aber ein spürbar entschärfter Sipsmith: Ohne die Chinin-Struktur eines kräftigeren Tonics verliert der Gin einen Teil seiner charakteristischen Trockenheit und Klarheit, ohne dass das 1724 im Gegenzug eigene, überzeugende Akzente setzt. Wer den Sipsmith in seiner gewohnten, klar konturierten Form genießen möchte, ist mit Fever-Tree Premium Indian oder Thomas Henry deutlich besser beraten. Als gelegentliche, mildere und wärmere Variante für ruhige Momente kann die Kombination mit dem 1724 dennoch funktionieren – als erste Wahl für diesen Gin eignet sie sich aber nicht.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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