Old English Gin & Fever Tree Premium Indian Tonic Water (4/5)

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Old English Gin & Fever Tree Premium Indian Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Old English Gin vom dänisch-englischen Brennhaus Hammer & Son und Fever-Tree Premium Indian Tonic Water treffen eine Rezeptur aus dem Jahr 1783 auf ein Tonic, das erst 2004 entwickelt wurde – zwei durch mehr als zwei Jahrhunderte getrennte Ansätze desselben Grundgedankens, aus möglichst hochwertigen Zutaten ein rundes Ganzes zu formen. Der Old English Gin bildet den englischen Gin-Stil vor der Ära des staubtrockenen London Dry ab: leicht nachgesüßt, gehaltvoller und mit einer warmen Würze aus Muskatnuss, Gewürznelke und Cassia. Auf der eigenen Produktseite wird für den Gin ein würziges Tonic wie Fever-Tree Aromatic oder ein klassisches Schweppes empfohlen. Diese Kombination testet die naheliegende dritte Variante: das Premium Indian Tonic, dessen Chinin-Bitterkeit und Bitterorangenöl eine andere, eher ausgleichende als verstärkende Rolle gegenüber der Süße und Würze des Gins übernehmen. Gebrannt wird der Old English Gin nach Angaben von Hammer & Son in einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Kupferbrennblasen Englands, mit Wasser aus einer eigenen artesischen Quelle – eine handwerkliche, vormoderne Produktionsweise, die zur historischen Ausrichtung der Rezeptur passt.

Warum diese Kombination funktioniert

Die leichte Nachsüßung ist das prägende Merkmal des Old English Gin und unterscheidet ihn spürbar von den meisten anderen Gins im Katalog – ein Zug, der ihn stilistisch in die Nähe des Old Tom Gin rückt. Genau hier setzt Fever-Tree Premium Indian an: Mit einer moderaten bis klaren Chinin-Bitterkeit und vergleichsweise wenig eigenem Zucker bildet es ein wirksames Gegengewicht zur eingebauten Süße des Gins, statt sie – wie ein noch süßeres oder ein Angostura-lastiges Aromatic Tonic es tun könnte – zusätzlich zu verstärken. Das Bitterorangenöl des Tonics nimmt zudem die Zitronen- und Orangenschale der historischen Rezeptur auf und verbindet sich mit der warmen Muskat-Nelke-Würze zu einem stimmigen Ganzen. Das Ergebnis ist ein Drink, der die Fülle und den historischen Charakter des Gins bewahrt, ohne ins Süßliche zu kippen – genau der Mechanismus, durch den ein gut ausbalanciertes Tonic auch gehaltvollere, von Natur aus süßere Gins in Form bringt.

Verkostung der Kombination

In der Nase zeigt sich zunächst die warme Gewürznote aus Muskatnuss und Nelke, getragen von hellem Wacholder und einer lebendigen Zitrusnote, während im Hintergrund die für den Old English Gin typischen erdigen Töne – feuchtes Laub, Angelika – durchscheinen. Am Gaumen macht sich die leichte Nachsüßung der historischen Rezeptur deutlich bemerkbar: Der Drink wirkt runder und voller als ein klassischer London-Dry-Gin-Tonic, wird aber von der Chinin-Bitterkeit des Tonics gerade noch im Zaum gehalten, sodass die Süße spürbar, aber nicht dominant bleibt. Die Säure ist moderat, getragen von Zitrusschale und Bitterorangenöl. Der Abgang ist lang, würzig und leicht erdig, mit einem trockenen, bitteren Nachklang, der die Süße am Ende noch einmal sauber ausbalanciert. Insgesamt wirkt der Drink deutlich gehaltvoller und runder als ein Gin-Tonic mit einem klassischen, staubtrockenen London Dry Gin – ein bewusster Kontrast, der die historische Rezeptur jederzeit spürbar macht.

Serviervorschlag

Wegen der spürbaren Süße des Gins lohnt sich hier ein großzügiger Umgang mit Eis, das durch zusätzliche Verdünnung hilft, die Balance zwischen Süße und Bitterkeit zu halten; ein Verhältnis von 1:3 bis 1:3,5 (Gin zu Tonic) streckt die Süße zusätzlich. Serviert im großen Ballonglas, ergänzt eine Orangenzeste die Zitrus- und Cassia-Noten der Rezeptur gut, ohne zusätzliche Süße einzubringen. Von stark zuckrigen Garnituren wie kandierten Früchten sollte dagegen abgesehen werden, da sie die ohnehin vorhandene Süße unnötig verstärken würden.

Einordnung & Vergleich

Innerhalb der Hammer-&-Son-Range zeigt sich im Vergleich zum Geranium Gin, dem bekannteren Schwesterprodukt derselben Brennerei, ein aufschlussreicher Gegensatz: Während der Old English Gin als historische, leicht gesüßte Rezeptur ein festeres, bittereres Tonic braucht, um im Gleichgewicht zu bleiben, benötigt der moderne, floral geprägte Geranium Gin eher ein zurückhaltendes Tonic, das seine Rosen-Zitrus-Note nicht überdeckt. Zwei Gins aus demselben Haus, aber mit nahezu entgegengesetzten Ansprüchen an ihr Tonic. Im Vergleich zur eigenen Empfehlung des Herstellers, dem würzigeren Fever-Tree Aromatic Tonic Water, zeigt sich ein weiterer Unterschied: Aromatic verstärkt mit seiner Angostura-Note die weihnachtliche Würze des Gins zusätzlich, während Premium Indian eher als Gegenpol wirkt und die Süße ausgleicht statt sie zu spiegeln – wer die Gewürznoten verdoppelt haben möchte, greift zu Aromatic, wer einen saubereren, ausbalancierteren Drink bevorzugt, zum Premium Indian.

Fazit

4/5 Punkte. Eine stimmige Kombination, die zeigt, dass sich auch ein historisch gesüßter, vom klassischen Dry-Gin-Ideal abweichender Gin mit dem richtigen Tonic gut ausbalancieren lässt. Empfehlenswert für alle, die die Fülle und Würze der Originalrezeptur von 1783 zu schätzen wissen, aber keinen zu süßen Drink möchten. Wer die Gewürznoten des Gins dagegen bewusst verstärken will, ist mit der hauseigenen Empfehlung, dem Fever-Tree Aromatic Tonic, besser beraten.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance4/5
Komplexität4/5
Säure/Frische3/5
Süße3/5