Hayman's Old Tom Gin & Thomas Henry Cherry Blossom Tonic (2/5)

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Hayman's Old Tom Gin & Thomas Henry Cherry Blossom Tonic (2/5)

2/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Hayman's Old Tom Gin belebt einen seit den 1950er-Jahren nahezu ausgestorbenen Gin-Stil wieder: Nach der Destillation wird dem Gin tatsächlicher Zucker zugesetzt, was ihm eine malzig-süße, fast dessertartige Note mit Anklängen von Graham Cracker und Mandel verleiht – deutlich süßer und weicher als ein klassischer London Dry Gin. Das Thomas Henry Cherry Blossom Tonic setzt seinerseits auf ein kräftiges, süßlich-fruchtiges Kirscharoma vor einer moderat bitteren Basis. Zwei bereits von Haus aus süße Produkte treffen hier also aufeinander – eine Konstellation, die schnell zu einer Kombination ohne ausreichenden Gegenspieler führen kann, wie sich in der Verkostung auch bestätigt. Hayman's selbst ist als eine der letzten unabhängigen Familien-Destillerien Londons zudem eng mit der Cocktail-Geschichte des 19. Jahrhunderts verwoben – Christopher Hayman ist Urgroßenkel von James Burrough, dem Gründer von Beefeater Gin –, und brachte den Old-Tom-Stil 2007 als erste Marke seit dessen Verschwinden wieder auf den Markt.

Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert

Der Reiz des Hayman's Old Tom liegt in seiner sanften, aber austarierten Süße, die von Wacholder, Koriander und einer feinen Rosenwasser-Anmutung im Zaum gehalten wird. Das Cherry Blossom Tonic bringt jedoch selbst schon eine kräftige, dominante Fruchtsüße mit, die sich zu der ohnehin vorhandenen Zucker-Süße des Gins addiert, statt ihr ein Gegengewicht entgegenzusetzen. Es fehlt in dieser Kombination fast vollständig an Säure oder ausreichender Bitterkeit, die für Struktur sorgen könnte – beide Zutaten teilen sich dieselbe geschmackliche Grundtendenz, statt sich zu ergänzen. Das Ergebnis ist ein Drink, der schnell in Richtung Eindimensionalität kippt: viel Süße, wenig Kontur, und die eigentlich interessante malzig-mandelige Komplexität des Old Tom geht in der Kirschfülle des Tonics weitgehend unter.

Verkostung der Kombination

In der Nase dominiert die intensive, süßlich-fruchtige Kirschnote des Tonics, während die malzig-süße Anmutung des Gins nur noch als schwacher Unterton wahrnehmbar bleibt. Am Gaumen zeigt sich der Drink deutlich zu süß und wenig strukturiert: Kirsche und Zuckersüße verstärken sich gegenseitig, ohne dass Wacholder, Koriander oder die feine Mandelnote des Old Tom nennenswert durchdringen könnten. Die klar definierte Bitterkeit, die das Cherry Blossom Tonic pur durchaus mitbringt, wird von der Süße des Gins fast vollständig neutralisiert. Der Abgang ist lang, süß und fruchtig, ohne den erwarteten trockenen oder würzigen Gegenpol – ein Drink, der eher an einen Kirsch-Likör als an einen ausbalancierten Gin & Tonic erinnert.

Serviervorschlag

Ein Ballonglas mit reichlich Eis und einer frischen Kirsche als Garnitur mag optisch stimmig wirken, verstärkt aber genau jene Süße-Dominanz, die diese Kombination ohnehin schon zu viel hat. Wer die Paarung dennoch servieren möchte, sollte auf eine Zitronenscheibe statt der Kirschgarnitur zurückgreifen, um wenigstens etwas Säure ins Glas zu bringen und die Süße geschmacklich etwas abzufedern – ein vollständiger Ausgleich lässt sich dadurch aber nicht erreichen.

Einordnung & Vergleich

Für den Hayman's Old Tom eignen sich klassische, trockene oder zurückhaltend süße Tonics deutlich besser, da sie der bereits vorhandenen Zucker-Süße ein nötiges Gegengewicht bieten. Innerhalb der Thomas-Henry-Familie ist das Cherry Blossom Tonic ohnehin die fruchtig-verspielteste und am wenigsten neutrale Variante und eignet sich laut eigener Produktseite besonders für zurückhaltende, klare London-Dry-Gins wie Gordon's London Dry Gin, die der dominanten Kirschnote bewusst Raum lassen, statt selbst mit eigener Süße zu konkurrieren. Der trockenere Hayman's London Dry Gin aus demselben Haus zeigt im Vergleich, wie deutlich sich die beiden Hayman's-Stile unterscheiden: Ohne die zugesetzte Zucker-Süße würde ein trockener Gin dem Cherry Blossom Tonic erheblich besseren Halt bieten als der von Haus aus schon süße Old Tom. Auch das dritte Hayman's-Produkt, der fruchtig-winterliche Hayman's Sloe Gin, zeigt, wie breit das Spektrum dieses Hauses tatsächlich ist – vom trocken-wacholderbetonten London Dry über den süßlich-historischen Old Tom bis zum fruchtig-mazerierten Sloe Gin, wobei gerade die beiden süßeren Stile bei der Tonic-Wahl besondere Vorsicht verlangen.

Fazit

2/5 Punkte. Eine Kombination, die an der doppelten Süße beider Zutaten scheitert: Ohne ausreichende Säure oder Bitterkeit als Gegengewicht wirkt der Drink schnell eindimensional und erinnert eher an einen Fruchtlikör als an einen ausbalancierten Gin & Tonic. Wer den Hayman's Old Tom in seiner malzig-mandeligen Komplexität erleben möchte, sollte ihn stattdessen in einem klassischen Cocktail wie dem Tom Collins oder Martinez servieren, wo seine Süße von Zitronensaft oder Wermut sinnvoll ausbalanciert wird. Als Gin & Tonic überzeugt diese Paarung dagegen nicht. Für alle, die den Old-Tom-Stil dennoch mit Tonic erleben möchten, empfiehlt sich stattdessen ein deutlich trockeneres, kaum gesüßtes Tonic Water, das der vorhandenen Zucker-Süße des Gins wenigstens etwas Struktur entgegensetzen kann, statt sie zusätzlich zu verstärken.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance2/5
Komplexität2/5
Säure/Frische1/5
Süße5/5