Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (4/5)

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Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin & Thomas Henry Tonic Water (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
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Die Kombination im Überblick

Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin und Thomas Henry Tonic Water treffen zwei Produkte aufeinander, die beide mit dem Begriff "trocken" werben und es auch wirklich ernst meinen. Der 2011 von Matthew Gilpin gegründete Gin aus dem englischen Lake District wird bei der Thames Distillery in London gebrannt, holt seine eigentliche Identität aber aus dem Quellwasser des historischen Holy Well von Cartmel, das durch altes Weidenmoor und Kalkstein gefiltert wird. Nur acht Botanicals bilden die schlanke Rezeptur – Wacholder, Salbei, Borretsch, Limette, Zitrone, bittere Orangenschale, Koriandersamen und Angelikawurzel –, die dem Gin bei World Drinks Awards, IWSC und Gin Masters bereits mehrere Auszeichnungen eingebracht hat, darunter 2014 sogar den Titel "World's Best Gin". Thomas Henry aus Berlin steht für dieselbe Zurückhaltung bei Süße, verbindet das aber mit einer ausgeprägten, harzig-trockenen Chinin-Bitterkeit. Diese Kombination wurde zusammengestellt, weil sie das Konzept "klassischer, wacholderbetonter Dry Gin trifft bitteres, chininreiches Tonic" in seiner konsequentesten Form durchspielt – mit einem Gin, der unter den vier Botanicals dieses Batches den mit Abstand höchsten Wacholderanteil mitbringt.

Warum diese Kombination funktioniert

Der Gilpin's ist von den acht Botanicals her denkbar reduziert, wirkt in der Verkostung aber alles andere als schlicht: Wacholder dominiert gleich zweifach – einmal in der Nase, ein zweites Mal kraftvoll am Gaumen –, während bittere Orangenschale und erdige Angelikawurzel für einen steinigen, fast mineralischen Unterton sorgen. Ein süßes oder aromatisch überladenes Tonic würde diese steile, geradlinige Struktur eher verwässern als unterstützen. Thomas Henry passt hier grundsätzlich gut: Seine trockene Chinin-Bitterkeit fügt sich in die ohnehin bittere, angelikageprägte Abgangsnote des Gins ein und verstärkt den puristischen Gesamteindruck, statt ihn zu brechen. Ehrlich betrachtet ist das aber auch die Grenze dieser Paarung: Weil sowohl der Gilpin's selbst als auch Thomas Henry bereits von Haus aus auf ausgeprägte Bitterkeit setzen, addieren sich beide Bitterkeitsebenen, statt sich gegenseitig auszubalancieren. Das Ergebnis ist ein Drink, der bewusst streng und mineralisch bleibt – reizvoll für Kenner klassischer London Dry Gins, aber ohne die abrundende Süße oder Frucht, die dieser Kombination noch mehr Zugänglichkeit verleihen könnte.

Verkostung der Kombination

In der Nase dominiert kräftiger Wacholder, begleitet von der harzig-krautigen Chinin-Note des Tonics und einem Hauch Salbei und Koriander im Hintergrund. Am Gaumen zeigt sich der Drink trocken und leicht ölig: Wacholder und bittere Orangenschale bilden das Zentrum, während die Angelikawurzel gemeinsam mit der Chinin-Bitterkeit des Thomas Henry für eine spürbar herbe, fast erdige Tiefe sorgt. Säure tritt dabei kaum in Erscheinung – die Limette und Zitrone des Gins bleiben eher Randnotiz als eigenständige Aromenschicht, was der insgesamt zurückhaltenden Säure dieser Kombination entspricht. Süße fehlt praktisch vollständig. Der Abgang ist lang, bitter-erdig und mineralisch, mit einem deutlichen Angelika-Nachhall – ein Gin & Tonic für alle, die einen wirklich trockenen, kompromisslosen Stil suchen, und weniger für den durstlöschenden Sommerdrink zwischendurch.

Serviervorschlag

Ein großes Ballonglas mit reichlich Eis ist Pflicht, damit sich die kräftige Bitterkeit über die Zeit etwas abmildert, statt vom ersten Schluck an dominant zu wirken. Ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) sorgt für ausreichend Verdünnung, ohne die steinige Struktur des Gilpin's zu verlieren. Als Garnitur empfiehlt sich eine Grapefruitzeste, deren eigene Bitterkeit die Orangenschalen-Note des Gins aufgreift, statt einen Kontrapunkt zu setzen – wer den Drink zugänglicher gestalten möchte, kann stattdessen zu einer dünnen Limettenscheibe greifen, die die im Gin ohnehin vorhandene Zitrusfrische leicht hervorhebt und der insgesamt strengen Bitterkeit etwas entgegensetzt.

Einordnung & Vergleich

Auf der eigenen Produktseite nennt Gilpin's selbst zwei mögliche Tonic-Partner: ein klassisches Indian Tonic wie Fever-Tree Premium Indian für die kräftige Wacholder- und Bitterorangen-Struktur sowie, für eine sanftere Variante, das 1724 Tonic Water mit seiner zurückhaltenden Süße. Thomas Henry positioniert sich zwischen beiden Empfehlungen und dabei näher am puristischen Ende: Es ist trockener als Fever-Tree Premium Indian, das durch etwas mehr Süße einen sanfteren Ausgleich zur Angelika-Bitterkeit schafft, und deutlich herber als das milde 1724, das die krautig-grüne Salbeinote stärker freistellen würde. Wer den Gilpin's in seiner konsequentesten, am wenigsten kompromissbereiten Form erleben möchte, ist mit Thomas Henry richtig – wer dagegen etwas mehr Rundung wünscht, findet sie eher bei den beiden vom Hersteller selbst genannten Alternativen.

Fazit

4/5 Punkte. Eine grundsätzlich stimmige Kombination zweier konsequent trockener, klassisch aufgebauter Produkte, die aber genau deshalb an eine gewisse Grenze stößt: Die doppelte Bitterkeit aus Angelikawurzel und Chinin macht den Drink strenger und mineralischer, als es die milderen, vom Hersteller selbst empfohlenen Tonics tun würden. Empfehlenswert für erfahrene Gin-Trinker, die einen puristischen, wacholderbetonten London Dry Gin ohne jede Rundung schätzen. Wer lieber einen etwas zugänglicheren Gin & Tonic möchte, ist mit Fever-Tree Premium Indian oder dem 1724 Tonic Water besser beraten – die volle, kompromisslose Stärke des Gilpin's zeigt sich mit Thomas Henry dagegen am deutlichsten.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Balance3/5
Komplexität4/5
Säure/Frische2/5
Süße1/5