Herstellung des Brugal 1888:
Brugal wurde 1888 von Andrés Brugal Montaner gegründet, der 1897 mit seiner Destillerie nach Puerto Plata an der Nordküste der Dominikanischen Republik umzog – bis heute der Firmensitz des Hauses. Seither wird das Unternehmen in Familienhand geführt; bereits die zweite Generation prägte in den 1940er-Jahren die charakteristische Netzverpackung der Flaschen, die dritte Generation schuf 1976 mit dem Extra Viejo eine der ersten gealterten Premium-Abfüllungen des Hauses. Heute zählt Brugal zum meistverkauften Rum-Haus der Dominikanischen Republik. Der 1888, benannt nach dem Gründungsjahr, wurde 2010 als "Ron Doble Maduro" (doppelt gereift) eingeführt und markiert bis heute die Premium-Spitze des Sortiments. Verantwortlich für die Rezeptur ist Master Blenderin Jassil Villanueva Quintana, eine der wenigen Frauen in dieser Rolle weltweit.
Die Basis bildet Melasse aus Zuckerrohr, die zu einem hellen, vergleichsweise leichten Destillat gebrannt wird – typisch für den spanisch geprägten, sogenannten "Ron"-Stil der Dominikanischen Republik, der sich von den schwereren, oft in Pot Stills gebrannten Rums Jamaikas oder Guyanas deutlich unterscheidet. Nach der ersten Reifung in amerikanischen Weißeichenfässern durchläuft der 1888 eine zweite Reifephase in ehemaligen Oloroso-Sherry-Fässern aus Jerez, Spanien — ein Verfahren, das dem Rum seine charakteristische Tiefe, dunkle Farbe und die typische Sherry-Würze verleiht und ihn deutlich von den meist leichteren Standardabfüllungen des Hauses abhebt.
Verkostung des Brugal 1888:
In der Nase zeigt sich der 1888 elegant und vielschichtig, mit Trockenfrucht, Karamell und einer feinen, unverkennbaren Sherry-Note, die von der zweiten Fassreifung herrührt. Am Gaumen präsentiert er sich vollmundig und elegant, mit Trockenfrucht, dunkler Schokolade und einer warmen Sherry-Würze, die dem Rum spürbare Tiefe verleiht, ohne ihn schwer wirken zu lassen. Der Abgang ist lang, mit nachklingender Sherry-Süße und Eichenwürze, die noch einige Zeit am Gaumen verweilt. Mit tiefem Kupfer-Mahagonifarbton und 40 % vol. gehört der 1888 zu den komplexesten Abfüllungen aus der Dominikanischen Republik.
Steckbrief Brugal 1888:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse aus Zuckerrohr
Fassreifung: Amerikanische Weißeiche + Oloroso-Sherry-Fässer (Doppelreifung)
Hersteller: Brugal & Co., Puerto Plata, Dominikanische Republik
Herstellung im Detail: Warum die zweite Reifephase entscheidend ist
Das Verfahren der doppelten Fassreifung, bei dem ein bereits gereifter Rum in ein zweites, andersartiges Fass umgefüllt wird ("Finishing"), stammt ursprünglich aus der Whisky-Welt, wird in der Karibik aber zunehmend adaptiert. Bei Brugal 1888 wird der in amerikanischer Weißeiche vorgereifte Rum in ehemalige Oloroso-Sherry-Fässer aus Jerez umgefüllt, die zuvor jahrelang spanischen Sherry enthielten und dessen Aromen – Trockenfrucht, Nussigkeit, eine dezente Süße – an den Rum abgeben. Jassil Villanueva Quintana wählt für diese zweite Reifephase gezielt Fässer aus, deren Sherry-Charakter weder zu dominant noch zu schwach ausgeprägt ist, damit die ursprüngliche Rum-Identität erhalten bleibt und lediglich um eine zusätzliche Aromenschicht ergänzt wird – ein Balanceakt, der Brugal 1888 von einfacheren, eindimensional gereiften karibischen Rums unterscheidet.
Verwendung des Brugal 1888
- Pur oder mit einem Tropfen Wasser: So entfaltet sich die Sherry-Komplexität des 1888 am eindrucksvollsten.
- Rum Old Fashioned: Die Sherry-Süße und Eichenwürze machen ihn zu einer eleganten Basis für einen Rum Old Fashioned mit Orangenzeste.
- Als Digestif zu Nussdesserts: Zu Mandel- oder Walnussgebäck harmoniert die Sherry-Note des 1888 besonders gut.
- Zu spanischem Käse: Ein gereifter Manchego bildet einen interessanten Gegenpol zur Süße und Würze des Rums.
- Rum Manhattan: Anstelle von Whisky sorgt der 1888 in einem Manhattan mit Sherry-Note für eine karibisch-spanische Variante des Klassikers.
Innerhalb des Brugal-Sortiments markiert der 1888 die deutlich komplexere, elegantere Alternative zu den leichteren Standardabfüllungen des Hauses wie dem Añejo. Im Vergleich zu anderen doppelt gereiften karibischen Rums – etwa mit Portwein- oder Cognacfass-Finish – setzt Brugal mit dem Oloroso-Sherry-Fass auf eine besonders nussig-trockene Aromatik, die den 1888 zu einer der eigenständigsten Premium-Abfüllungen der Dominikanischen Republik macht.
Auch die Auszeichnung mit einer Goldmedaille bei der New York International Spirits Competition im Jahr 2021 unterstreicht die internationale Anerkennung, die der 1888 seit seiner Einführung erhalten hat. Für die Dominikanische Republik, deren Rum-Tradition im Schatten der bekannteren Nachbarländer Kuba und Puerto Rico lange Zeit weniger internationale Aufmerksamkeit erhielt, ist der 1888 damit auch ein wichtiger Imageträger: Er zeigt, dass spanisch geprägter Rum-Stil – leichter im Grunddestillat, aber mit gezielter Fassreifung veredelt – international durchaus mit den etablierten Rum-Regionen Jamaika oder Guyana mithalten kann. Wer sich für die Bandbreite karibischer Fassreifungsverfahren interessiert, findet im 1888 damit einen besonders lehrreichen Vertreter der dominikanischen Doble-Maduro-Tradition.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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