Die Kombination im Überblick
Brockmans Premium Gin positioniert sich bewusst als "The Properly Improper Gin": Nach der Destillation werden dem fertigen Gin kalt Blaubeer- und Brombeerextrakte zugesetzt, was ihm eine ungewöhnlich fruchtig-samtige Note verleiht, während der klassische Wacholdercharakter bewusst zurücktritt. Das East Imperial Royal Botanic Tonic kombiniert Holunderblüten- und rubinroten-Grapefruit-Extrakt zu einem floral-fruchtigen Profil, das ebenfalls auf Eleganz statt auf kräftige Bitterkeit setzt. Zwei Produkte mit ähnlicher Grundausrichtung – fruchtig-weich statt klassisch-herb – treffen hier aufeinander, was auf den ersten Blick vielversprechend klingt, sich in der Verkostung aber als angenehme, wenn auch etwas eindimensionale Paarung erweist. Brockmans selbst wird von den Branchenkennern Neil Everitt und Bob Fowkes verantwortet, die den Gin bewusst für Trinkerinnen und Trinker konzipierten, die klassischen, harzig-trockenen Gin sonst eher meiden – ein Anspruch, den das ebenfalls auf Zugänglichkeit ausgelegte Royal Botanic Tonic in seiner Grundidee teilt.
Warum diese Kombination nur bedingt funktioniert
Sowohl der Brockmans als auch das Royal Botanic Tonic setzen auf Frucht und Blüte statt auf klassische Wacholder- oder Chinin-Dominanz – eine Ausgangslage, die zunächst nach einer harmonischen Ergänzung klingt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass beide Komponenten in dieselbe geschmackliche Richtung ziehen, ohne sich gegenseitig Kontur zu verleihen: Die Beerennoten des Gins und die Grapefruit-Holunderblüten-Note des Tonics addieren sich zu einem angenehmen, aber recht flachen Fruchtbild, dem es an Struktur und Tiefe fehlt. Weder die zurückhaltende Wacholderwürze des Brockmans noch die moderate Chinin-Bitterkeit des Tonics bringen genug Gegengewicht mit, um dem Drink mehr als nur eine hübsche, aber letztlich eindimensionale Fruchtigkeit zu verleihen – ein leicht trinkbarer, aber wenig anspruchsvoller Sommer-Drink ohne größere Überraschungen.
Verkostung der Kombination
In der Nase verschmelzen die dunklen Beerennoten des Gins mit der duftigen Grapefruit-Holunderblüten-Note des Tonics zu einem süßlich-fruchtigen Gesamtbild. Am Gaumen zeigt sich der Drink weich und zugänglich: Blaubeere und Brombeere treffen auf Grapefruit und eine feine, veilchenartige Süße der Holunderblüte, während Wacholder und Chinin beide nur als schwacher Hintergrund wahrnehmbar bleiben. Die milde Mandelnote des Brockmans rundet das Bild ab. Der Abgang ist mittellang, fruchtig-süß und angenehm, wenn auch ohne größere Komplexität oder überraschende Wendungen – ein unkomplizierter, leicht zugänglicher Drink für warme Tage.
Serviervorschlag
Großes Weinglas statt Longdrinkglas, reichlich Eis, Verhältnis etwa 1:3. Frische Blaubeeren als Garnitur greifen die Fruchtnote des Gins direkt auf, während eine Grapefruitzeste zusätzlich die Zitrusseite des Tonics unterstreicht. Wer der Kombination etwas mehr Struktur verleihen möchte, kann einen Spritzer frischen Zitronensaft hinzufügen, der zumindest eine zusätzliche Säurespitze einbringt und die sonst recht flache Süße etwas aufbricht.
Einordnung & Vergleich
Brockmans selbst empfiehlt auf der eigenen Produktseite ein mildes Tonic wie Fever-Tree Mediterranean mit Blaubeergarnitur oder alternativ East Imperial Grapefruit Tonic für einen spannenderen Kontrast – das Royal Botanic Tonic mit seiner zusätzlichen Holunderblütennote verstärkt dagegen eher die bereits vorhandene fruchtig-florale Tendenz des Gins, statt ihr Kontur zu verleihen. Innerhalb der East-Imperial-Range ist das Royal Botanic Tonic ohnehin das blumigste und am wenigsten bittere Mitglied und passt besser zu botanicals-reicheren Gins wie The Botanist Islay Dry Gin, die der Blütennote mit eigener kräuteriger Struktur etwas entgegensetzen können. Für den Brockmans selbst wäre ein kontrastierendes, herberes Tonic – etwa mit ausgeprägter Grapefruit-Säure ohne zusätzliche Blütensüße – die interessantere Wahl gewesen. Auch das nachträgliche "Cold Compounding"-Verfahren des Brockmans, bei dem die Fruchtextrakte erst nach der Destillation kalt zugesetzt werden, verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung: Es bewahrt die Frische der Beerenaromen besonders gut, kann aber – anders als eine während der Destillation gewonnene Fruchtnote – auch schneller in Richtung reiner Süße kippen, wenn das begleitende Tonic keine ausreichende Gegenwehr leistet.
Fazit
3/5 Punkte. Eine angenehme, leicht trinkbare, aber wenig aufregende Kombination: Zwei fruchtig-florale Produkte addieren sich zu einem süßen, unkomplizierten Sommer-Drink, dem es jedoch an Struktur und Überraschung fehlt. Wer den Brockmans in seiner vollen, samtig-beerigen Komplexität erleben möchte, sollte eher zu einem kontrastierenderen, herberen Tonic greifen, das der Fruchtnote mehr Kontur verleiht. Als unkomplizierter, leicht bekömmlicher Absacker für warme Sommerabende funktioniert diese Paarung dennoch gut – nur eben nicht als die spannendste Option für diesen ungewöhnlichen Gin. Wer weitere fruchtig-florale New-Western-Gins jenseits des Brockmans entdecken möchte, findet in der wachsenden Riege dieser Stilrichtung zahlreiche verwandte, aber jeweils eigenständig akzentuierte Interpretationen, bei denen sich lohnt, gezielt nach einem kontrastierenden statt einem gleichgerichteten Tonic zu suchen. Auch optisch hebt sich der Brockmans mit seiner dunkelblauen Flasche bewusst von klassisch-nüchtern gestalteten London-Dry-Etiketten ab – ein Detail, das die "Properly Improper"-Positionierung der Marke schon vor dem ersten Schluck unterstreicht und zu ihrem insgesamt zugänglichen, unkomplizierten Charakter passt.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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